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Palliativmedizin bei neurologischen Erkrankungen

Warum und wann Palliativmedizin?

Für die Tumorerkrankungen innerhalb der Neurologie, z.B. dem Glioblastom (GBM), ist die begrenzte Lebenserwartung unstrittig. Ab Diagnosestellung ist das GBM innerhalb von im Mittel etwa 14 Monaten zum Tode führende Erkrankung. Natürlich wird jeder von einer derartigen Diagnose Betroffene – ob Patient, seine Angehörigen oder die Behandelnden – sofort an die Tumorbehandlung denken und diese selbstverständlich nach den allgemein gültigen Leitlinien durchführen (Weller et al., 2014). Parallel dazu aber wird sich jeder Patient sofort denken – wie bei jeder Tumordiagnose – „Werde ich daran sterben?“ Diese Sorgen aufzunehmen, zu zeigen, wie die Lebensqualität unabhängig von Erfolgen der Tumorbehandlung gesteigert werden kann, und auf Fragen zu Endlichkeit, Sterben und Tod einzugehen – auch dies gehört zu einem ganzheitlichen Management des GBM ab Diagnosestellung dazu.

Diese Aussage mag vom Leser als kontraintuitive Kontroverse aufgefasst werden – es spiegelt jedoch sämtliche aktuellen nationalen und internationalen Leitlinien wider, sei es ASCO, S3 Leitlinie Palliativmedizin oder die Europäische Leitlinie Palliativmedizin bei GBM (Ferrell 4et al., 2017; Simon11 et al., 2020; Pace10 et al., 2017). Seit dem „landmark paper“ von Temel14 et al., im NEJM vor 10 Jahren, dessen Ergebnisse beim nicht kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) im Wesentlichen von weiteren Studien seitdem bestätigt werden konnte, ist klar, dass spätestens ab einer tatsächlichen Überlebensprognose von 12 Monaten (die ASCO spricht sogar von 12-24 Monaten, also genau dem Zeitraum beim GBM ab Diagnosestellung) PARALLEL zur Tumorbehandlung das Hinzuziehen von Palliativmedizin nicht nur zu einer verbesserten Lebensqualität führt, sondern sogar als „Nebenwirkung“ auch zu einer tendenziell verlängerten Überlebenszeit (Temel14 et al., 2010). Als derzeitige Kontroverse kann man die Frage betrachten, WIE das geschehen soll, aber nicht OB. Um die Frage nach dem WIE zu klären, führen wir derzeit eine Phase III RCT an fünf Standorten in Deutschland durch (Golla 5et al., 2020). Nach den in Deutschland geltenden Richt- und Leitlinien (Simon11 et al., 2020) beginnt die palliativmedizinische Begleitung mit der Diagnose der Tumorerkrankung. Sie erfolgt durch die primär Behandelnden oder spezialisierte Palliativ-Pflegefachkräfte (allgemeine versus spezialisierte Palliativpflege), z.B. SAPV im häuslichen Bereich, Palliativmedizinischer Dienst oder Palliativstation im Krankenhaus.