Beurteilung von Komorbiditäten bei Epilepsie und deren Auswirkungen auf das Ergebnis

Erkenntnisse

  • Komorbiditäten unterschiedlicher zugrunde liegender Mechanismen sind bei etwa einem Viertel der Personen mit Epilepsie vorhanden und können die Ergebnisse durch indirekte Mechanismen beeinflussen.

Bedeutung

  • Ungefähr die Hälfte der Erwachsenen mit Epilepsie hat eine komorbide Erkrankung, die die Lebensqualität, das Ansprechen auf die Behandlung oder die Mortalitätsraten beeinflussen kann. Diese Studie, einschließlich Erwachsener und Kinder, liefert Evidenz dafür, dass komorbide Erkrankungen zum Zeitpunkt der Epilepsie-Diagnose beurteilt werden sollten, um möglicherweise bessere Ergebnisse zu erzielen.

Studiendesign

  • Zielsetzung: eine retrospektive Kohortenstudie zur Beurteilung der Prävalenz und der Arten von Komorbiditäten sowie zur Bestimmung des Zusammenhangs von Komorbiditäten mit langfristigen Epilepsie-Ergebnissen.

  • Population: Erwachsene und Kinder, bei denen vor dem 31. Dezember 2005 Epilepsie diagnostiziert wurde und die ≥ 10 Jahre lang in 13 italienischen Epilepsiezentren nachbeobachtet wurden (n = 486 Frauen; n = 520 Männer).

  • Während der Nachbeobachtung wurden die folgenden Klassifizierungen angewendet:

    • Anfallsfreiheit: < 2 Jahre Remission oder 2+ Jahre Remission

    • Prognostische Muster: frühe Remission, späte Remission, schubförmig-remittierender Verlauf, Verschlechterung des Verlaufs. keine Remission.

  • In den Krankenakten identifizierte Komorbiditäten wurden definiert als jede klinische Erkrankung, die vor der Epilepsiediagnose auftrat und die bei der Diagnose erfasst wurde.

    • Jede Komorbidität wurde von zwei Beurteilern nach Typ sowie nach Organ-/Systemkategorien klassifiziert und zudem nach den zugrunde liegenden Mechanismen klassifiziert als:

      • Kausaler Mechanismus: dem Beginn des epileptischen Anfalls vorausgehend und eine kausale Rolle bei der Entwicklung des epileptischen Anfalls spielend

      • Gemeinsame Risikofaktoren: häufige Ursache für Epilepsie und Komorbidität

      • Zufällige Assoziation: tritt bei Patienten mit Epilepsie ohne kausalen Zusammenhang auf.

  • Es wurden allgemeine charakteristische Vergleiche zwischen Patienten mit ≥ 1 Komorbidität und denjenigen ohne Komorbidität durchgeführt, bei Patienten, die eine 2-Jahres-Remission erreichten, und denjenigen, welche nie eine Remission erreichten, sowie nach drei verschiedenen prognostischen Kategorien (keine Remission, schubförmig remittierender und sich verschlechternder Verlauf und anhaltende Remission).

  • Es wurden kategorische und kontinuierliche Variablen verglichen, und eine multivariable Analyse wurde durchgeführt.

Wichtigste Ergebnisse

  • Von der Gesamtpopulation hatten 26,4 % ≥ 1 Komorbidität, wobei die Gesamtkomorbiditäten pro Patient von 1 bis 7 reichten.

    • Die am häufigsten beteiligten Organe/Systeme waren: entwicklungsbedingt/perinatal (21,3 %), psychiatrisch (16,7 %), kardiovaskulär (15,7 %), endokrin/metabolisch (10,3 %), zerebrovaskulär (7,6 %) und neurologisch (4,9 %).

    • Die Mechanismen in der Reihenfolge der abnehmenden Prävalenz waren: zufällige Assoziation (42,2 %), gemeinsame Risikofaktoren (31,1 %) und kausaler Zusammenhang (26,7 %).

  • Entwicklungsbedingte/perinatale (7,5 %), psychiatrische (6,2 %), kardiovaskuläre (5,3 %) und endokrine/metabolische (3,8 %) Komorbiditäten waren bei Patienten mit ≥ 1 Komorbidität vorherrschend.

  • Bei Patienten mit < 2-Jahres-Remissionen waren endokrine/metabolische, psychiatrische und respiratorische Erkrankungen häufiger, und gemeinsame Risikofaktoren waren häufiger.

    • Eine multivariable Analyse bestätigte eine geringere Wahrscheinlichkeit dafür, eine 2-jährige Remission für psychiatrische, endokrine/metabolische und respiratorische Erkrankungen zu erreichen.

    • Gemeinsame Risikofaktoren waren nicht mit einer Remission assoziiert.

  • Bei Patienten ohne Remission waren endokrine/metabolische, psychiatrische und respiratorische Komorbiditäten häufiger als schubförmig remittierende und anhaltende Remission.

    • Eine multivariable Analyse bestätigte eine geringere Wahrscheinlichkeit für eine schubförmig remittierende oder anhaltende Remission bei psychiatrischen und respiratorischen Erkrankungen und eine signifikante Assoziation nur für endokrine/metabolische Erkrankungen bei schubförmig remittierendem Verlauf.

    • Gemeinsame Risikofaktoren waren nicht mit prognostischen Kategorien assoziiert.

  • Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass bei etwa einem Viertel der Patienten mit Epilepsie mindestens eine Komorbidität vorlag und dass entwicklungsbedingte/perinatale, psychiatrische, kardiovaskuläre und endokrine/metabolische Komorbiditäten vorherrschend waren; der häufigste Mechanismus war die zufällige Assoziation.

Einschränkungen

  • Das retrospektive Design kann sich auf die Datenqualität und -vollständigkeit ausgewirkt haben.

  • Die Populationsbasis war unvollständig.

  • Die Interpretation der den Komorbiditäten zugrunde liegenden Mechanismen war subjektiv.